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    Buchen, einsteigen, losfahren

    Ein eigenes Auto kostet bare Münze, auch wenn es nur vor der Türe steht. Wer dieses Geld sparen möchte, leiht sich ein Fahrzeug: Carsharing liegt im Trend und kann einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

    Ob Fahrzeuge, Wohnungen oder Arbeitsplätze – teilen ist in. «Sharing Economy» lautet der Trend, dessen verschiedene Formen einen gemeinsamen Nenner haben: leihen statt kaufen, teilen statt besitzen. Ganz neu ist dieses Phänomen nicht. Schon seit eh und je leiht man sich in öffentlichen Bibliotheken Bücher aus oder nutzt die Bohrmaschine des Nachbarn, wenn man selbst keine hat. Neu ist, dass immer mehr Verbraucher ­bewusst auf den Kauf von Konsumgütern verzichten. ­Zudem ergeben sich durch die zunehmende Digitali­sierung immer mehr Möglichkeiten für die «Sharing Economy».

    Carsharing in Städten am erfolgreichsten
    Der Trend des «Teilens» greift auch bei der Mobilität um sich. Bestes Beispiel dafür ist Carsharing. Es funktioniert in der Regel nach folgendem Prinzip: Der Nutzer registriert sich einmalig beim Anbieter seiner Wahl, bucht ein Fahrzeug und kann anschliessend ins Auto steigen und losfahren. Carsharing zieht insbesondere Menschen an, die in Ballungszentren leben: Parkplätze sind oft knapp, Stau und stockender Verkehr gehören zum Alltag. Gleichzeitig ist der ÖV gut ausgebaut, sodass ein eigenes Auto nicht zwingend notwendig ist. Häufig ­ersetzt Carsharing auch das Zweitauto.

    Bereits 1987 entstanden in der Schweiz mit der Auto­Teilet-Genossenschaft (ATG) in Stans und der ShareCom in Zürich zwei Carsharing-Projekte. 1997 fusionierten sie zur Mobility Genossenschaft. Inzwischen verzeichnet der Schweizer Marktführer 127 000 Kunden. Ihnen stehen 2900 Fahrzeuge an 1460 Standorten zur Verfügung – darunter auch Elektrofahrzeuge, deren Anzahl bis 2020 auf mindestens 100 erhöht werden soll. Die Gründe für den wachsenden ­Erfolg sind vielfältig. ­«Immer mehr Leute entdecken die Einfachheit, Bequemlichkeit und Sparmöglichkeiten beim Carsharing», sagt Mobility-Sprecher Patrick ­Eigenmann.­ «Dabei steigt der Anteil junger Kunden überproportional – auch, weil das Auto für viele kein Statussymbol mehr ist.»

    Günstig und effizient mobil
    Wer auf ein eigenes Auto verzichtet, spart eine ganze Menge Geld: Neben den Anschaffungs- ­entfallen die Fixkosten für Treibstoff, Wartungs- und Reparatur­arbeiten und den Stellplatz fürs Auto.­­ Auf Umwelt und Verkehr­ kann sich Carsharing positiv­ ­auswirken –­ ­vorausgesetzt, Nutzer steigen nicht vom Zug auf das Auto um, wie­ ­Matthias Müller­ ­vom Verkehrs­­club­ Schweiz betont. «Wenn­ ­Carsharing­ dazu führt, dass mehr Leute auf ein eigenes Auto verzichten, ist das sehr zu begrüssen. Gerade in urbanen Räumen kann Carsharing sinnvoll sein, weil hier die Möglichkeit besteht, dass viele Leute nur noch ein Auto nutzen. Wichtig ist, dass die digitale Infrastruktur so ausgebaut wird, dass die Angebote einfach und rasch buchbar sind und die Möglichkeit des Car-Poolings besteht – also, dass wir die Auslastung der einzelnen Autos verbessern.»

    Als Mobility 2014 mit Catch a Car das erste stations­ungebundene Carsharing-Angebot der Schweiz lancierte,­ hat die ETH Zürich das Projekt zwei Jahre lang begleitet, um die Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt zu erforschen. Das Ergebnis: Ein Catch-Car ersetzt vier Privat­autos. Zudem reduzieren die Nutzer ihre ­Autokilometer und sind häufiger mit öffentlichen ­Verkehrsmitteln ­unterwegs als Privatautobesitzer. Bei Catch a Car fahren die Nutzer von A nach B, ohne das Auto an den Ursprungsort zurückbringen zu müssen.

    Mein Auto ist dein Auto
    Ein etwas anderes Carsharing-Modell bietet sharoo an. Über die Internet-Plattform des 2014 gegründeten Schweizer Start-up-Unternehmens können Privatpersonen ihr eigenes Auto an Fremde vermieten. «Autos stehen­ 23 von 24 Stunden am Tag ungenutzt herum. Wir haben es uns daher zur Aufgabe gemacht, dass ­Autos in der ungenutzten Zeit einfach mit Dritten geteilt werden können. So sind mehr Menschen mit der gleichen Anzahl an Fahrzeugen mobil», sagt sharoo-­Sprecherin Danila Helfenstein. Derzeit können 1200 Privatautos über sharoo gemietet werden. Den Preis legt der Fahrzeugbesitzer fest. sharoo wurde 2016 von der ­Beratung Frost & Sullivan mit dem best practices award als «Klassenbester in Europa» ausgezeichnet.

    Unendliche Möglichkeiten
    Die bisherigen Angebote schöpfen die Möglichkeiten aber längst nicht aus. Carsharing kann sich zu einer noch nachhaltigeren und zukunftsweisenden Mobilitätsform entwickeln – durch die Kombination mit verschiedenen Verkehrsmitteln, finan­zielle Anreize oder selbstfahrende Autos, wie Patrick Eigenmann prognostiziert: «Diese werden Reisende auf Knopfdruck abholen, sie von A nach B bringen und d­anach eigenständig parkieren und tanken.»

    Die SBB lotet mit dem Projekt «SBB Green Class» die ­Grenzen nachhaltiger Mobilität aus: 100 Teilnehmer ­erhalten für ein Jahr ein Elektroauto, ein Generalabon­ne­ment der 1. Klasse, einen Parkplatz am Bahnhof und die Mitgliedschaft bei Mobility und ­PubliBike. Die ETH Zürich wird die Daten auswerten und erforschen, wie sich Mobilität verändert, wenn man freie Wahl der Verkehrsmittel hat.

    Yvette Grün

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      Mobility Genossenschaft
      www.mobility.ch
      Catch a Car
      www.catch-a-car.ch
      sharoo AG
      www.sharoo.com
      SBB Green Class
      www.sbb-greenclass.ch