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    Ich leihe dir meine Wohnung

    Ob ausziehbare Couch oder exklusive Villa: Wer eine private Unterkunft vermieten oder buchen möchte, dem stehen zahlreiche Onlinedienste zur Verfügung. 

    Die einen überlassen ihr Haus Fremden, während sie selbst verreist sind. Andere vermieten ihr Gästezimmer an Touristen oder lassen Reisende kostenlos auf der Couch übernachten: Homesharing, das gemeinschaftliche Nutzen von privatem Wohnraum, boomt. Ermöglicht wird es durch Internetportale, die jedem eine passende Bleibe bieten.

    Gästezimmer oder Luxusdomizil?
    Marktführer ist die Onlineplattform Airbnb, 2008 in San Francisco gegründet. Darauf sind 2,3 Millionen Unter­künfte – vom einfachen Zimmer über grosszügige Apartements bis hin zur exklusiven Villa – in 190 Ländern inseriert. Eine davon gehört ­Verena Lüscher. Sie vermietet eine Vier-Zimmer-­Wohnung im Zentrum von Aarau. «Ich hatte schon unzählige Gäste aus Deutschland, Bulgarien, Polen, ­England, Sri Lanka­ und Australien», erzählt die ­67-jährige Pensionärin. «Neben Touristen kommen ­inzwischen viele Stammgäste, die beruflich immer wieder ein paar Tage in ­Aarau sind, und Leute, die bis zu ihrem Umzug eine Zwischenlösung suchen.»

    Nach demselben Prinzip wie Airbnb funktionieren auch die Onlinedienste Wimdu und 9flats, die beide 2011 in Berlin gegründet wurden und im vergangenen Jahr fusioniert haben. Sie alle erheben eine Buchungsgebühr, die bis zu 15 Prozent des Mietpreises betragen kann. ­Delia Granzotto aus Reinach ist dennoch überzeugt, dass man für privat vermietete Unterkünfte oft ­weniger zahlt als für Pensionen oder Hotels. Einen ­Monat lang war die 22-Jährige­ in Japan unterwegs und hat mit ihren Airbnb-­Unterkünften ausschliesslich gute ­Erfahrungen gemacht. «Die Zimmer waren meistens sehr klein, die Gastfreundschaft dafür aber umso grösser», erzählt sie. Auch Sabine Vogel Dion aus Baden schätzt die Atmosphäre von privatem Wohnraum. «Man fühlt sich wie daheim, kann selber ­kochen und hat mehr Platz als in einem Hotelzimmer», erzählt die 46-Jährige, die schon in New York, Schottland und auf Malta in fremden Betten geschlafen hat.

    Lokale Kultur erleben
    Homesharing hat viele Gesichter. So tauschen immer mehr Urlauber für ein paar Wochen ihre Bleibe mit anderen Familien. Unter Haustauschferien.com und Homelink.de beispielsweise hinterlassen Reiselustige einen Kurzbeschrieb ihres Hauses und ihre Wunsch­reiseziele – in der Hoffnung, dass sich zum Reise­termin ein Tauschpartner findet.

    Authentische Reiseerlebnisse mit Familienan­schluss verspricht die Onlineplattform Homestay.com. Das 2013 in Dublin gegründete Start-up-Unternehmen ­bietet Ferienunterkünfte in mehr als 150 Ländern an. In jeder von ihnen ist eine Gastfamilie anwesend, die als privater Reiseführer über kulturelle Besonderheiten informiert, Insider-Tipps verrät und gemeinsame Aktivitäten mit den Gästen plant.

    Zu Gast bei Gleichgesinnten
    Ganz nah am Alltag fremder Personen sind auch die Mitglieder der Gastfreundschaftsnetzwerke Hospi­talityclub, BeWelcome oder Couchsurfing. Sie suchen auf den jeweiligen Portalen eine Schlafstätte oder bieten selbst eine an – kostenlos. Das kann eine Couch, ein Bett oder eine Luftmatratze sein, der Komfort ist zweitrangig. Vielmehr steht das Ziel im Vordergrund, neue Menschen zu treffen und Freundschaften aufzu­bauen.

    Vor zwei Jahren war Raphael Brunner nach dem Studium sechs Wochen lang in Australien als «Couch­surfer» unterwegs. «Für mich war das nicht nur die günstigste, sondern auch die beste Art, Land und Leute kennenzulernen», erzählt der 28-Jährige aus Wettingen. «Ich wusste zwar nie, was mich erwartet, aber es ist ja ­gerade das Unbekannte, das ­Reisen so spannend macht.»

    Preiswerte Alternativen
    Gegenüber den Onlinediensten gibt es aber auch Vorbehalte, die unter anderem den knappen Wohnungsmarkt, Lärm, Sicherheit sowie Tourismus­abgaben und diverse Auflagen betreffen. Obwohl in Städten wie New York, Berlin und Wien schon gewisse Regulierungen ­eingeführt wurden, ist der Home­sharing-Boom nicht aufzuhalten. Das zeigen die steigenden Zahlen der Unterkünfte auf den Internetplattformen sowie die der ­Reisenden, für die Airbnb und Co. kostengünstige Alternativen zu herkömmlichen Ferienunterkünften sind. Haben Sie es auch schon ausprobiert?

    Yvette Grün 

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