News

    Sagen zum AEW Kalender 2019

    Januar: Wittnau – es geschah ein Wunder 

    Die Wallfahrtskapelle Mariastein liegt auf dem Buschberg, einem Hochplateau zwischen dem Homberg und dem Limperg. Man erzählt sich, dass im Jahr 1668 an dieser Stelle der Müller Benedikt Martin verunglückte, der gemeinsam mit dem Fuhrmann Johann Rim einen 23 Zentner schweren Mühlstein transportierte. 14 Pferde zogen den Wagen auf die Höhe des Buschbergs. Unglücklicherweise rutschte Benedikt Martin auf dem Weg aus, kam mit beiden Beinen unter den fahrenden Wagen und wurde von diesem überrollt. Wie durch ein Wunder blieben seine Beine unverletzt und der Müller kam mit einem Schrecken davon. Zum Dank liess er an der Unfallstelle ein Kreuz errichten und begab sich auf Wallfahrt ins Kloster Mariastein. Hier wurde das Geschehene im Mirakelbuch niedergeschrieben. 

    Februar: Sins – das rettende Licht

    Bevor eine Brücke bei Sins über der Reuss errichtet wurde, trug sich eine tragische Geschichte zu. Ulrich III. von Rüssegg war mit Elisabeth von Hünenberg verheiratet. Rüssegg und Hünenberg waren durch die Reuss getrennt, weshalb Elisabeth mit ihren Kindern bei Besuchen der väterlichen Burg mit einem Fährschiff über den Fluss fuhr. In einer dunklen Nacht ohne Mondschein begab sich die Familie mit der Fähre von Hünenberg über die Reuss auf die Heimreise. Der Fährmann konnte das andere Ufer jedoch trotz Sturmlicht nicht erkennen und der Weidling geriet in Not. Hohe Wellen schlugen über den Bootsrand. Da geschah das Unglück: Die beiden Buben von Ulrich und Elisabeth fielen über Bord und ertranken. Um in Zukunft solche Geschehnisse zu verhindern, stiftete Ulrich eine hell strahlende Laterne für das Reussufer, die den sicheren Anlegeplatz von Weitem sichtbar machte. Als die Brücke über die Reuss gebaut wurde, kam die Laterne in die Sinser Pfarrkirche. Noch heute leuchten hier zwei «ewige Lichter» vom Hochaltar. 

    März: Bad Zurzach – die wundertätige Heilige

    Die Verenalegende ist reich an Geschichten. In Bad Zurzach sollen sich rund um die heilige Verena folgende Wunder zugetragen haben: Als die heilige Verena nach Bad Zurzach kam, fand sie im Haus des Priesters ein neues Zuhause. Sie kümmerte sich um die Kranken und Armen und war bald sehr beliebt in der Bevölkerung. Eines Tages bemerkte man, dass Verena aus dem Weinkeller des Priesters heimlich Wein für die Kranken nahm. Sie wurde zur Rede gestellt und musste den Krug vorweisen. Doch als der Priester in den Krug blickte, hatte sich der Wein in Wasser verwandelt.

    Eine andere Geschichte besagt, dass in der Fastenzeit Verena einen Ring des Priesters verwahrte, da diesem während dieser Zeit das Tragen von Schmuck verboten war. Ein missgünstiger Knecht stahl den Ring und warf ihn in den Rhein, um Verenas Ansehen zu schaden. Als zu Ostern Lachs im Rhein gefangen und im Pfarrhaus zubereitet wurde, kam auf wundersame Weise ebendieser Ring im Magen des Fisches wieder zum Vorschein. 

    April: Teufenthal – eine unglückliche Liebe

    Die Entstehung der mittelalterlichen Trostburg ist eng mit einer Liebesgeschichte verknüpft:

    Während eines Jagdausflugs des Grafen Landolus, Herrscher über die Grafschaft Rore (dazu gehört auch das heutige Wynental), begegnete seine Pflegetochter Gertrud im Wald dem jungen Ritter Dietrich von Disentis. Die beiden verliebten sich ineinander und schon bald darauf wurde Hochzeit gefeiert. Doch noch während der Hochzeitsfeier kündigte sich Unheil an: Der Goldring – seit Geburt im Besitz von Gertrud – fiel vom Finger der Braut und brach entzwei. Daraufhin erschien das Bildnis einer Frau, die Gertrud auf unheimliche Weise ähnelte. Dietrichs Vater, ein spät eintreffender Hochzeitsgast, klärte das Mysterium auf: Gertrud und Dietrich seien Geschwister und das Frauenbildnis zeige Gertruds leibliche Mutter, die ihre Tochter nach der Geburt aufgrund widriger Umstände in fremde Obhut geben musste. Fortan lebten die Geschwister voller Trauer. Die Geschichte nahm jedoch mit dem Beginn einer neuen Liebe zwischen Gertrud und dem Ritter Theoderich von Rynach eine glückliche Wendung. Auch Dietrich fand eine neue Braut. Die Trostburg – Hochzeitsgeschenk für Gertrud und Theoderich – trägt ihren Namen bis heute als Zeichen für die trostvolle Auflösung der Geschichte, die so tragisch begonnen hat.

    Weitere Infos zur Trostburg finden Sie unter www.trostburg.ch

    Mai: Linn – Erinnerung an die Toten

    Die Linner Linde gilt mit einer Höhe von 25 Metern und einem Stammumfang von elf Metern als der mächtigste Baum des Aargaus. Seit vielen hundert Jahren erzählt man sich die Geschichte, wie es zur Pflanzung der Linde kam:

    Als die Pest in Linn wütete, mussten die vielen Toten ausserhalb des Dorfes bestattet werden, da der einzige Fuhrmann nicht mehr alle zum Friedhof fahren konnte. Die letzten Überlebenden schufen in der Not ein grosses Grab, auf dem sie zur Erinnerung eine Linde pflanzten. Seit dieser Zeit beschützt die Linde der Sage nach das Dorf vor weiteren Seuchen.

    Die Sage um die Linner Linde hat noch eine weitere Auslegung, in der es um die Herrschaft der Habsburger geht. Es existieren zwei sich widersprechende Versionen: Die eine besagt, dass die Welt untergeht, wenn der Schatten der Linde auf die gegenüberliegende Habsburg fällt. Laut der zweiten Version geht die Welt unter, wenn der Schatten nicht mehr auf die Habsburg fällt. Da der Schatten der Linde zweimal im Jahr tatsächlich bis zur Habsburg reicht, dürfte die zweite Version eher der Überlieferung entsprechen.

    Informationen, Bilder und die Geschichte des Dorfes Linn finden Sie unter www.linnerlinde.ch

    Juni: Baden – eine unheimliche Verwandlung

    Hoch über Baden thront die Burgruine Stein. Um die über 1000-jährige Geschichte ranken sich viele Sagen, so auch eine zur Namensgebung des Waldes «Teufelskeller» und des «Kreuzliberges»:

    Einst soll ein Burgfräulein auf der Burg Stein gelebt haben, das sich jeden Tag mit ihrem Geliebten, einem Konditorgesellen, in dem nahegelegenen Wäldchen heimlich traf. Eines Tages tobte ein unheimlicher Sturm über der Gegend und verwüstete den Wald. Das Burgfräulein suchte tags darauf zwischen dem aufgerissenen Waldboden, Wurzelstöcken und Felsbrocken vergebens nach ihrem Geliebten. Verzweifelt stieg sie in eine Felsspalte, um dort nach ihm zu suchen, als sie plötzlich von zwei unsichtbaren Händen gepackt und in die Tiefe gezerrt wurde. Am nächsten Morgen fand ein Jäger das Burgfräulein auf einem nahen Hügel wieder: Ihr Körper war zu Stein erstarrt, die Arme verzweigten sich zu Baumästen und ihre Füsse waren in der Erde verwurzelt. Rasch holte man aus dem nahen Kloster ein Gnadenbild, um den Bann zu brechen. Das Mädchen, halb bewusstlos, konnte gerettet werden. Aus Dankbarkeit darüber wurde an der Stelle des Wunders ein Kreuz errichtet. So heisst der Hügel seitdem «Kreuzliberg» und der Wald «Teufelskeller». 

    Juli: Küttigen – eine Brücke ins Verderben

    Unterhalb der Ruine Königstein, versteckt im Sodbrunnen, findet man zuweilen alte Goldmünzen oder eine kupferne Schlange – so erzählen es sich alte Bauern aus der Gegend um Küttingen noch heute.

    Will man dieser Sage Glauben schenken, so nimmt man den Fund aber besser nicht mit nach Hause. Die Münzen verwandeln sich dabei in Schnecken und der Biss der Schlange soll die Glieder welken lassen. Grund für die Verwünschung des Schatzes ist ein Unglück, das viele Jahre zuvor den ehemaligen Besitzer, den Burgherrn zu Küttigen, ereilt hat: Er soll seine Bauern geschunden und einst genötigt haben, ihm eine grosse Menge Leder zur Verfügung zu stellen. Damit wollte er sich eine Hängebrücke zum Achenberg bauen, um rascher bei seiner Geliebten zu sein. Den Bauern allerdings war die geforderte Menge Leder ein Verdruss. Um dem Unterdrücker endlich zu entkommen, schnitt ein besonders Mutiger von ihnen die Seile der Brücke an. Es kam, wie es kommen musste: Auf dem Weg zu seiner Geliebten stürzte der Burgherr samt Pferd in der Mitte der Brücke in die Tiefe. 

    August: Oftringen – tanzende Elfen

    Wie die Ortschaft Küngoldingen der Gemeinde Oftringen mit der Dame Küngold und deren verbotenen Liebe zu einem jungen Kaufmann verstrickt ist, erzählt die folgende Sage:

    Die lebenslustige Küngold war verheiratet mit dem rauherzigen Zwingherrn von der Wartburg ob Olten. Misstrauisch liess der Ehemann seine Frau bewachen, wenn er auf monatelangen Kriegs- und Raubzügen unterwegs war. Da Küngold sich auf der Burg langweilte, unternahm sie oft Ausritte nach Zofingen. So lernte sie eines Tages einen schönen jungen Kaufmann kennen und lieben. Es war allerdings fast unmöglich, ihn heimlich zu treffen. Zu Hilfe kamen ihr neun Elfen, die man zu nächtlicher Stunde schon oft beim Looweiher gesehen hatte. «Wir sind neun, mit dir sinds zehn», flüsterten sie Küngold zu und halfen ihr, die Bewacher zu täuschen: Diese wurden vom Anblick der leicht bekleideten Elfen derart betört, dass sie nicht auf Küngold achteten, die sich durch ein Täuschungsmanöver ebenfalls als Elfe ausgab und so fliehen konnte.

    Als ihr Ehemann zurückkehrte und Küngold in Erwartung eines Kindes vorfand, das nicht von ihm stammen konnte, stürmte er samt Tross zum Looweiher, um die Elfen zu bekämpfen. Doch diese wurden wie durch ein Wunder von einem daher donnernden Wagen gerettet und verschwanden kurz darauf in einem Regenbogennebel. Auch der Geliebte von Küngold wurde rechtzeitig gewarnt und konnte sich und Küngold in Sicherheit bringen.

    Die Elfen wurden nie wieder beim Looweiher gesichtet. Man erzählt sich aber, dass sie an anderen Orten aufgetaucht seien. Sicher ist man sich aber nicht... 

    September: Olsberg – der Gottesgarten

    Die Gründung des Klosters Olsberg geht zurück auf das 13. Jahrhundert. Viele Legenden und Sagen ranken sich um das älteste Zisterzienserinnenkloster der Schweiz. Eine dieser Sagen erklärt, wie das Kloster zu seinem Namen kam:
    Bereits früh nannte sich das Kloster «Hortus Dei», also Gottesgarten, sowie Ölberg – letzteres in Anlehnung an den Ölberg in Jerusalem, weil die Lage des Gebäudes Ähnlichkeit mit dem berühmten Hügel hatte. Daraus ist der Sage nach der Name Olsberg – auch für den heutigen Ort – entstanden.

    Weitere Geschichten und Sagen lassen sich hier nachlesen:
    www.kloster-olsberg.ch/sagen.html 

    Oktober: Wohlen – die freundlichen Erdgeister

    Einem Lausbubenstreich ist es zu verdanken, dass wir heute keinem Erdmannli mehr begegnen, wenn wir am «Erdmannlistein», einer Gruppe von Findlingen, verweilen. Dieser Erdmannlistein befindet sich mitten im Wald zwischen Bremgarten und Wohlen. Die Sage erzählt, dass in einer Höhle unter den Steinen einst freundliche Erdmannli wohnten, die zu Tanz und Spass aufgelegt waren, wann immer die Menschen sie riefen. Als Dank für die Unterhaltung wurden sie mit Gemüse belohnt. Eines Tages sollen zwei freche Buben Steine in die Höhle der Erdmannli geworfen haben. Als diese daraufhin nicht erschienen, feuerten die Buben mit Pistolen. Einzig ein Klagen und Jammern der Erdmannli war zu hören, gesehen hat sie seither aber kein Mensch jemals wieder.

    Wollen sich (Laus-)Buben und Mädchen heute beim Erdmannlistein austoben, können sie versuchen, die Erdmannli zum Tanzen und Spielen hervorzulocken: Man erzählt sich, dass die lustigen Gesellen wiederkommen, wenn man es schafft, sieben Mal mit angehaltener Luft um den Stein herumzurennen. Viel Glück! 

    November: Heitersberg – eine gerechte Strafe

    Tief unter der Oberfläche des Egelsees ruht ein düsteres Geheimnis. Einst soll hier eine Angst und Schrecken verbreitende Herrenbande auf ihrer Burg auf dem Heitersberg gelebt haben. Auf ihren Raubzügen durch die Gegend machten die Männer vor nichts Halt und achteten kein Gesetz. Eines Tages kamen sie am Haus einer armen Witwe vorbei, um den Zins einzufordern, den diese aber nicht bezahlen konnte. Erzürnt nahmen sie sich Hab und Gut und setzten das Haus in Brand. In ihrer Not wollte die Witwe eine Handvoll Mehl retten, um ihrem jüngsten Kind einen Brei davon zu machen. Daraufhin packten die Männer das Kind und warfen es in die Flammen. Die Witwe schrie voller Schmerz und flehte den Himmel um Rache an. In der folgenden Nacht zog ein heftiges Unwetter auf. Blitz und Donner schlugen auf die Burg ein und mit tosendem Krach versank das Gemäuer samt Mann und Maus in einem riesigen Krater, der sich in der Erde auftat. Am nächsten Morgen lag an dieser Stelle ein friedlicher See, und die Herrenbande wurde nie wieder gesehen und gefürchtet. 

    Dezember: Lenzburg – der Schuldige wird gefunden

    Einst soll sich eine wundersame Rechtsfindung zugetragen haben, von der folgende Sage erzählt:
    Eines Tages wurde ein Mann erschlagen aufgefunden. Weit und breit waren weder eine Spur noch ein Täter zu finden, der Fall blieb unklar. So griff man zu einem merkwürdigen Mittel, um den Mörder ausfindig zu machen: Aus der Leiche wurde ein Knochen herausgebrochen und an das Zugseil der Schlossglocke in Lenzburg gehängt. Jeder, der beim Landvogt Recht oder Almosen suchte, musste an der Glocke läuten. Jahrelang passierte nichts Ungewöhnliches. Doch als eines Tages ein Greis am Seil zog, begann der Knochen plötzlich zu bluten und das Blut ergoss sich auf den Greis: Der «Blutknochen» hatte seinen Mörder entlarvt. Der Greis gab zu, als junger Mann einen anderen überfallen und erschlagen zu haben und das Verbrechen konnte nach jahrelanger Ungewissheit aufgeklärt werden. 

    Drucken

    Seite weiterempfehlen

     
    Sie finden unsere Website informativ? Hier können Sie die besuchte Seite jemandem per E-Mail weiterempfehlen.

    Absender

    Empfänger

    Bitte geben Sie das Ergebnis ein.