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    Wissensexplosion

    Im Internet wird das Wissen der Welt gebündelt. Ein Wissen, das immer schneller wächst, unsere Lernprozesse verändert und sich auf Berufsbilder auswirkt – nicht zuletzt auf die der Energiebranche, die im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 nach neuen Lösungen sucht. 

    Sie muten fast schon wie ein Relikt aus früheren Tagen an: gedruckte Enzyklopädien. Wer heute einen Begriff nachschlagen oder sich ganze Themenkomplexe aneignen möchte, nutzt Wikipedia. Die Online-Plattform gehört weltweit zu den beliebtesten Internet-Seiten und ist aktueller als jedes Nachschlagewerk in Buchform. Der Grund: Mehr als 70 000 Menschen schreiben regelmässig, freiwillig und unbezahlt für Wikipedia. So findet sich im Internet das Wissen der Welt – frei und für jeden zugänglich.

    Gemeinsam im Dienst der Wissenschaft
    Wikipedia ist nur ein Beispiel für die neue Wissensgesellschaft, in der digitale Medien den Zugang zu einer wachsenden Wissensmenge erleichtern. Hochschulen und Forschungsinstitute haben diese Chance erkannt und beteiligen immer mehr Freiwillige an ihren Projekten – Citizen Science oder Bürgerwissenschaften lautet der Fachbegriff. Der Trend aus den angelsächsischen Ländern hat inzwischen auch die Schweiz erreicht.

    Die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) in Zürich beispielsweise hat eine Crowdsourcing-Initiative gestartet, um ihr Bildarchiv zu vervollständigen: Für viele Fotos in ihrer Online-Bibliothek hat die ETH keine oder fehlerhafte Informationen und hofft nun auf das orts- und fachkundige Wissen von Freiwilligen. Mit dem Netzwerk PhaenoNet des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) kann jeder, der sich registriert, seine Beobachtungen zur jahreszeitlichen Veränderung von Pflanzen erfassen. Ziel ist unter anderem, den Dialog zwischen Forschung, Bildung und der Öffentlichkeit zu fördern. 

    Neue Berufe entstehen, bestehende verändern sich
    Mit dem Einzug der digitalen Medien in unser Zeitalter haben sich unsere Lernprozesse massiv gewandelt. Umgekehrt gilt aber auch, dass inzwischen die meisten Forschungsprojekte und Berufe einen versierten Umgang mit Internet und Informationstechnologie erfordern. Diese Veränderungen betreffen auch die Energiewirtschaft. So sind im Bereich Netzinfrastruktur umfassende IT-Kenntnisse unablässig. Floss noch vor 20 Jahren der Strom vom Kraftwerk zum Kunden, gestalten heute Menschen die Energiezukunft aktiv mit – zum Beispiel mit einer Solaranlage auf dem eigenen Hausdach. Dazu braucht es intelligente Netze, die den Stromfluss regeln.

    Neben digitalen Kenntnissen ist in der Energiebranche auch neues Wissen gefragt. So entstehen neue Berufsbilder, um für die Herausforderungen der Energiestrategie 2050 gewappnet zu sein. Entsprechend ergänzt der Verband Schweizerischer Energieunternehmen (VSE) kontinuierlich sein Bildungsangebot. Seit zwei Jahren bietet er beispielsweise die Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Energie- und Effizienzberater (EEB) an. «Dieser anspruchsvolle Beruf verbindet die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Ökologie und der EEB fungiert als wichtiger Berater beim Umbau des Energiesystems», sagt Michael Frank, Direktor des VSE. Nicht zuletzt werden etablierte Ausbildungsberufe modernisiert. Wer heute eine Lehre zum 
Netzelektriker oder zur Netzelektrikerin in Angriff nimmt, kann neu aus den Schwerpunkten Energie, 
Telekommunikation und Fahrleitungen auswählen. Und auch die Ausbildung zum Anlagenoperateur wird ab 2017 einen Wandel erfahren.

    Energieversorgung der Zukunft erforschen
    Am Paul Scherrer Institut (PSI) wurde die Versuchsplattform ESI (Energy System Integration) aufgebaut. Gemeinsam mit der Industrie werden hier Lösungsansätze für erneuerbare Energien wie Solarenergie, Windkraft und Energie aus Biomasse erforscht. Die Wissenschaftler beschäftigt dabei vor allem die Frage, wie man Energiequellen, die je nach Wetter und Tageszeit viel oder wenig Strom liefern, ohne Stromschwankungen ins Netz integrieren kann. Ihre Lösung: Sie wollen Energie in Form von Gas speichern.

    «Für diese Arbeit braucht es idealerweise Mitarbeitende, die sowohl Elektrotechnik und Elektronik verstehen, als auch umfassende Kenntnisse über gasförmige und flüssige Energieträger haben und wissen, wie sich aus diesen Rohstoffen nutzbare Energiedienstleistungen gewinnen lassen», erläutert Peter Jansohn, der das 
Projekt ESI leitet. «Darüber hinaus ist ein sicherer 
Umgang mit einer komplexen IT-Infrastruktur eine 
allgemein geforderte Voraussetzung». Jansohn ist überzeugt, dass eine gute Fachausbildung zwar weiterhin eine gute Basis ist, dass neue integrative, systembasierende Techniken aber in Zukunft eine Kombination von Fachwissen in verschiedenen Bereichen notwendig machen werden.

    Yvette Grün

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