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    News

    Das Freiamt erlebnisreich erfahren

    Aargau Tourismus hat bis Ende Oktober 2013 den Freiämter Schlemmertag im Programm, angekündigt als «1 Tag Velo & Well-Ess». Wir machten die Probe aufs Exempel.

    Start/Ende der Tour: Bremgarten, Streckenlänge: 35 km, Höhenmeter: 413 m, Dauer: 4 Stunden

    Für einigermassen geübte Velofahrer ist die Erkundung der natürlichen Schönheiten des ländlichen Freiamtes mit dem E-Bike überhaupt kein Problem. Wie aber sieht es mit einem generationenübergreifenden Familien-Ausflug aus mit Ortsunkundigen, wie sie sich aus dem Solothurnischen, Baslerischen und dem aargauischen Seon an jenem heissen Sommertag beim Bahnhof Bremgarten einfanden?

    Nun, die 35-Kilometer-Rundfahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft des Freiamtes bereitet jede Menge Spass und Aha-Erlebnisse, wenn die Protagonisten einige Vorkehrungen treffen. Die Protagonisten waren in diesem Fall Omi, Opi, Mammi, Papi, Tanti, Götti, klein Amelie und «Freund» Pingu. Der darf auf keinen Fall fehlen, sonst ist der Tag gelaufen, bevor er begonnen hat.

    Begonnen hat alles damit, die anderthalbjährige Amelie, Pingu und ihr gemeinsames Gefährt zu präparieren. Kinderanhänger können grundsätzlich an E-Bikes angebracht, müssen aber mitgebracht werden, da sie – im Gegensatz zu E-Bikes und Helm – nicht vermietet werden. Wer ohnehin über einen Kinderanhänger verfügt, hat schnell einmal mit ein paar Handgriffen alles aufgebaut und angehängt. Allerdings muss man das entsprechende Werkzeug dabei haben und selber Hand anlegen. Oder wie es der auch sonst gerne radelnde Papi in seiner Begeisterung für Kinderanhänger kommentiert: «Die Hinterachse der Velos besteht aus dem herkömmlichen Mutter-Schraube-Verschlusssystem und kann mit einem Schraubschlüssel gelöst werden, um die mit dem Anhänger mitgelieferte Kupplung zu montieren.»

    Dann wäre da noch die Geschichte mit der Kopfbedeckung. Einen Velohelm muss seit Anfang Juli 2012 tragen, wer ein schnelles Elektrovelo fährt. Betroffen sind E-Bikes mit einer Motorleistung von 500 bis 1000 Watt. Nur E-Bikes mit einem Motor unter 500 Watt dürfen ohne Helm gefahren werden. Oder anders gesagt: Der geprüfte Velohelm ist Pflicht, wenn ein Elektrovelo zwar allein mit dem Motor weniger als 20 km/h schnell fährt, aber mit Tretunterstützung 25 km/h überschritten werden. Falls bereits allein mit Motorenleistung Geschwindigkeiten von 20 km/h erreicht werden, braucht es einen Mofa-Helm.

    Weiter hat der Bundesrat beschlossen, dass künftig auch schnelle E-Bikes mit einem Kinderanhänger unterwegs sein dürfen. Hier eine Übersicht über neue Regeln für Elektrovelos und E-Bikes. Es empfiehlt sich, so oder so eine Kopfbedeckung zu tragen. Dann also – Helm auf, los kanns gehen.

    Durch die Altstadt Bremgartens zum Reusspark
    Auf eine erste Sehenswürdigkeit treffen wir bereits am Ausgangspunkt, die historische Altstadt Bremgarten, die allemal einen Besuch wert ist. Danach führt die Route mitten in das natürliche, leicht ansteigende Grün bis man etwas ausserhalb des Dörfchens Niederwil das Café Reuss, direkt am Fluss gelegen, erreicht. Es wird Zeit zum Verweilen beim Znüni.

    Ganz in der Nähe besteht auch die Gelegenheit, das ProSpecieRara-SchauGewächshaus in der angrenzenden ehemaligen Klosteranlage Gnadenthal zu besuchen.

    «Strohmuseum im Park»
    Die Route führt via Niederwil weiter durch idyllische Landschaften nach Wohlen, wo dem multimedialen Strohmuseum ein Besuch abgestattet werden kann. Das 1976 gegründete Freiämter Strohmuseum an der Bünzstrasse 5 in Wohlen hat Anfang Mai 2013 als «Strohmuseum im Park» seine Tore in der umgebauten und neu eingerichteten Villa Isler geöffnet. Es widmet sich in einer vielseitigen, anschaulichen und auch kinderfreundlichen Ausstellung der einmaligen Geschichte der Freiämter Hutgeflechtindustrie. In keiner anderen Region der Welt sind im 19. Jahrhundert solch feine Hutgarnituren hergestellt worden wie im aargauischen Freiamt. Was als Heimarbeit begonnen hatte, entwickelte sich im 20. Jahrhundert zur exportorientierten Hutgeflechtindustrie.

    Die Geschichte wird multimedial, interaktiv und anhand von einzigartigen Originalen erzählt. Besucher werden mitgenommen auf eine Zeitreise vom bäuerlichen Kunsthandwerk im 18. und 19. Jahrhundert über die industrielle Massenproduktion für den internationalen Modemarkt bis zum Niedergang der Industrie im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts.

    Die Bergetappe am Challere
    Der nun steil ansteigende Weg führt zur knapp 1000-Seelen-Gemeinde Büttikon. Auf ihre Kapelle sind die Büttiker besonders stolz und sie haben sich daher für ihr Kirchlein immer mächtig ins Zeug gelegt. Um beispielsweise das Harmonium gegen eine Metzler-Orgel zu tauschen, sparten sie sich die Kosten im Rahmen eines «Orgeljahres» mit allerlei besonderen Aktionen zusammen, unter anderem einem Orgellauf oder einer Metzgete.

    Weiter steigt es an bis zum Weiler Kallern, von Freiämtern «Challere» genannt. Sportlich Interessierte kennen den Dorfnamen aus Zeitungen, weil die Schweizer-, Europa- und Weltmeister gewordenen Seilzieher ihren Ursprung in Kallern haben.

    Es ist schon speziell, wenn man die Topografie dieses Ortes mit dem Rest der Rundfahrt vergleicht. Bremgarten liegt 381 m ü. M., Wohlen 421 m ü. M., Büttikon 498 m ü. M. Und jetzt kommts: Kallern 480 bis 675 m ü. M. Das war die Stunde der Herausforderung für den sportlichen Götti Manuel, der die Bewältigung der gesamten Rundreise nonstop auf eine Stunde veranschlagt hatte. Er hat allerdings auch nichts gegen die Langsamkeit, gibt in Situationen der Entschleunigung sein Lieblingsszenario zum Besten: «Was sagt die Schnecke, wenn sie mit der Schildkröte eine Reise macht? – Juhuihhhh sagt die Schnecke auf dem Panzer der Schildkröte, während sie den Fahrtwind durch die Fühler wehen lässt.»

    Gefühlt hat Götti Manuel die Bergetappe am Challere mit Amelie im Schlepptau zwar etwas schneller als im Schildkröten-Schneckentempo zurückgelegt, auch wenn er aus Ehrgeiz und zu Testzwecken auf die Elektrounterstützung seines E-Bikes verzichtete, was mächtig in die Beine und Lungen fuhr. Und was meinte Amelie, die mit Pingu das Experiment ganz entspannt von hinten aus dem «Begleitfahrzeug» im Auge behielt? «Bitzli ’eiss!» Der Götti hatte dagegen nichts einzuwenden.

    Kurvenreiche Abfahrt nach Boswil
    Nun folgt die kurvenreiche Abfahrt mit Blick auf die Freiämter Weite, Klöster und Kirchen, insbesondere auf die imposante Pfarrkirche St. Pankraz von Boswil. Das französisch geprägte, neugotische Bauwerk entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Es ersetzte die aus dem Mittelalter stammende Alte Kirche und ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.

    Im Gasthaus Löwen wartet nicht nur das wohlverdiente Mittagessen, eine weitere Berühmtheit von nationalem, wenn nicht internationalem Renommee verdient Beachtung: Das Künstlerhaus Boswil, eine kulturelle Stiftung, die auf klassische und zeitgenössische Musik spezialisiert ist. Ihr Sitz ist das ehemalige Pfarrhaus der römisch-katholischen Kirchgemeinde. Das Gebäude befindet sich am östlichen Dorfrand und bildet zusammen mit der Alten Kirche und der Odilokapelle eine historische Gebäudegruppe, die im Besitz der Stiftung ist. Das Künstlerhaus organisiert regelmässig Veranstaltungen mit international bekannten Künstlern, wobei die Konzerte hauptsächlich in der Alten Kirche stattfinden.

    Über Bünzen, Besenbüren und Rottenschwil an den Flachsee
    Gestärkt geht es auf ebener Strecke nach Bünzen, das dominiert wird von der neugotischen Saalkirche aus dem Jahre 1862, und weiter über Besenbüren, Rottenschwil nach Unterlunkhofen. Auf dem Gebiet von Unterlunkhofen liegt der ein Kilometer lange und bis zu 300 Meter breite Flachsee. Er wurde in den 1970er-Jahren künstlich geschaffen, ist ein idealer Lebensraum für bedrohte Vogel- und Amphibienarten und steht unter Naturschutz. Rund um den See mit seinen fünf Inseln erstrecken sich Schilfgürtel und Sümpfe. Dem Schilfgürtel des Flachsees folgend trifft man wieder auf die Reuss und den Weg zurück nach Bremgarten, wo im Café Restaurant Bijou ein Zvieriplättli wartet.

    Fazit
    Zu siebt gestartet, zu siebt heil zurück, einschliesslich Pingu. Wer diese abwechslungsreiche Tour hinter sich hat, ist in mehrfacher Hinsicht um Erfahrungen reicher: um kulturelle, historische, kulinarische und sportliche.

    Die Radwege sind zwar gut markiert, nicht aber einheitlich, wie Gotti Fabienne registriert. Da kann es schon mal vorkommen, dass man von der Route abkommt und überraschende Entdeckungen macht, sei es eine pittoreske Holzbrücke über die Reuss oder eine imposante Klosteranlage. Dabei handelt es sich um die dem Hl. Martin geweihte Benediktinerinnen-Abtei in der Gemeinde Hermetschwil-Staffeln. Sie befindet sich auf einem kleinen Hügel im Ortsteil Hermetschwil, unmittelbar am westlichen Ufer der Reuss. Das Kloster wurde Ende des 12. Jahrhunderts gegründet und 1876 aufgehoben, besteht aber seit 1985 wieder.

    Bliebe noch eine Bemerkung zum Zeitaufwand der Rundfahrt, die sich erstaunlich flexibel gestalten lässt: von Göttis gefühltem einstündigen Durchritt bis zum genussvollen Auskosten des Gesamtangebotes. Wir haben auf den Besuch des Strohmuseums verzichtet. Abgesehen davon war man unisono der Meinung, dass die Durchquerung von Wohlen – insbesondere zur Rushhour – nicht unbedingt zu den Highlights der Tour zählt. Wer zügig vom Gesamtangebot Gebrauch macht, sollte mit 4 Stunden durchkommen. Wers gemütlich nimmt, kann mehr aufwenden, muss aber bis spätestens 19.30 Uhr wieder bei der Ausgangsstation sein.

    Überhaupt kein Problem ist die Leistungsfähigkeit der Akkus. Papi Marino: «Der Akku hat mich auch mit Anhänger nicht im Stich gelassen, er zeigte nach der 35-km-Tour wie bei den anderen drei Bikes noch 2 von 5 Stricheinheiten an.» Und auch sonst: «Ich fühlte mich befreit und an manchen Passagen wie ein durchtrainierter Velofahrer, speziell wenn es mit Anhängerlast steil bergauf ging. Man schaltet in einen niedrigen Gang, reduziert das Tempo und lässt den Motor auf Stufe High mithelfen. So ging es auch bei den warmen Temperaturen fast ohne Schwitzen – nur fast.» Eine Aussage, die auch Omi Evi bestätigen kann, die über weite Strecken tapfer vorne wegfuhr.

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