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Leitungsbau für die Fernwärme in der Römerstadt

Unter den Strassen von Kaiseraugst liegen die Überreste der Römerstadt Augusta Raurica – das macht jedes Bauprojekt zur planerischen Herausforderung. Beim Ausbau des AEW Wärmeverbunds stellte die enge Begleitung durch die Kantonsarchäologie Aargau sicher, dass Funde fachgerecht gesichert wurden – und die Arbeiten gleichzeitig effizient voranschritten.

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Weil man hier bei Erdarbeiten stets damit rechnen muss, auf Spuren der Vergangenheit zu stossen, werden Bauprojekte in Augst und Kaiseraugst archäologisch begleitet. Nicht nur, um allfällige Funde rasch sichern zu können, sondern auch in beratender Funktion. Jahrzehntelange Forschung und die Dokumentation früherer Grabungen ergeben ein recht genaues Bild der verborgenen Strukturen und ihrer Folgen für ein Bauprojekt. Müssen Befunde zuerst untersucht und dokumentiert werden, kann sich ein Bauvorhaben massiv verzögern. Deshalb wurde beim Ausbau des Wärmeverbundes für jeden Abschnitt eine Ausweichtrasse festgelegt, wo im Falle archäologischer Untersuchungen weitergearbeitet werden kann. 

Überraschender Fund

Wo möglich folgen Ausbauarbeiten bestehenden Leitungsführungen – an den meisten Orten wurde also schon früher gegraben und es liegen archäologische Aufzeichnungen vor. Allerdings sind diese nicht immer lückenlos: So stiessen die Archäologen bei den Aushubarbeiten für den Wärmeverbund auf massive Sandsteinblöcke, die nirgends verzeichnet waren. Sie entpuppten sich als Überreste des Fundaments des Osttores des römischen Kastells. Dass es ein solches Tor gab, war bekannt – nur gefunden hatte man es bislang nicht. 

Querschnitt durch die Zeit 

Die Befunde wurden zum Schutz mit Sandeingedeckt und die Leitungen darauf und daneben verlegt – die Kosten übernahm die Kantonsarchäologie. Insgesamt glichen die Ausbauarbeiten einem Querschnitt durch die Geschichte von Kaiseraugst. Insbesondere bei den Hausanschlüssen stiess man immer wieder auf unberührten Boden. So querte ein Leitungsgraben ein römisches Gebäude, wo Fragmente einer reichhaltigen Wandbemalung erhalten waren. Auch drei übereinander bestattete Personen aus der frühen Neuzeit kamen zum Vorschein. Dank präziser Planung und dem Fachwissen aller Beteiligten konnten die Ausbauarbeiten trotzdem fristgerecht abgeschlossen werden.

Römische Metropole am Rhein

Augusta Raurica lag dort, wo heute Augst und Kaiseraugst stehen. Im Jahr 45 v. Chr. gegründet, wuchs die Kolonie zu einer Metropole mit bis zu 15 000 Einwohnerinnen und Einwohnern heran. Sie verfügte über Theater, Tempel, Thermen, Handwerksquartiere und grosse Gräberfelder entlang der Ausfallstrassen. Ab dem 3. Jh. setzten innenpolitische Krisen und Germaneneinfälle dem Wohlstand ein Ende, um 300 entstand das Kastell Castrum Rauracense als Teil der Grenzbefestigungen am Rhein. Auch nach Abzug der Römer Anfang des 5. Jh. blieb es bewohnt – so residierten die Bischöfe von Basel wohl ursprünglich im Kastell. Im Römerhaus und im Freilichtmuseum wird die römische Vergangenheit der Region lebendig. www.augustaraurica.ch

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