«Unsere Beziehung ist oft komisch»
Ihre Kolumne «Schreiber vs. Schneider» ist Kult: Seit 25 Jahren schreiben Steven Schneider und Sybil Schreiber über die kleinen und grossen Alltagsbeben. Das Ehepaar witzelt, neckt und improvisiert – auch im Interview, das wie ihre Kolumnen unerwartete Wendungen nimmt.
Sie gelten als öffentlichstes schreibendes Ehepaar der Schweiz. Gibt es Momente, in denen Sie das bereuen?
Schneider: Ich bereue es nicht. Das ist eine super Sache. Wir machen aber einen Unterschied zwischen öffentlich und privat. Wir geben darum auch keine Familiensachen preis, sondern nur das, was alle anderen auch beschäftigt. Ich fühle mich sehr privilegiert, so einen Job zu haben. Schreiber: Es ist ein grosses Glück, dass wir diese Kolumne und dieses respektvolle Publikum haben und dass wir so arbeiten können. Wir erleben dabei viel Schönes und können normal unser Leben leben. Das ist wunderbar.
Sybil Schreiber und Steven Schneider
Sie sind das erfolgreichste Kolumnistenpaar der Schweiz. Ihr 1999 entstandenes gemeinsames Projekt «Schreiber vs. Schneider» in der Coopzeitung ist die meistgelesene
Kolumne der Schweiz. Das Ehepaar seziert darin mit Witz und Humor den ganz normalen Wahnsinn moderner Beziehungen und Alltagsthemen und ist live auf Bühnen unterwegs. Aktuell mit ihrem Programm «Paarcours d’amour», auch im Aargau. Sie schreiben nicht nur gemeinsam, sondern auch als Solisten Bücher. Demnächst erscheint Steven Schneiders erster Roman: «Die schnellste Frau der Welt».
Wie kommen Sie auf die Themen für die Kolumne?
Schneider: Da reicht es, mit ihr zusammenzuleben. Man muss aufmerksam sein. Am Anfang dachten wir: Wir haben eine komische Beziehung. All die Spannungen, das Komplizierte und was wir in die Beziehung reingebracht haben. Da passte viel nicht zusammen. Darüber haben wir geschrieben. Da dachten wir, die Kolumne machen wir maximal drei Jahre, wenn es gut läuft. Dann haben wir gemerkt, dass wir zwar eine komische Beziehung führen, alle anderen aber irgendwie auch. Schreiber: Bei unseren Lesungen lachen die Leute im Grunde über sich selbst. Das ist für mich die schönste Art von Humor. Wenn wir auf der Bühne sind, ist das wie ein Abend unter Freunden.
Sie beschreiben die Liebe als Hindernislauf. An welcher Hürde straucheln Sie?
Schneider: Früher oft an der Kindererziehung. Obwohl sich unsere Ideen nur in Nuancen unterschieden. Schreiber: Das Einräumen der Spülmaschine ist auch ein Klassiker. Da nervt er sich oft. Schneider: Dabei mache ich sogar Familienschulungen zum Besteckeinräumen, doch das interessiert keinen. Schreiber: Das sind typische, alltägliche und kleine Hürden. Da kommt man drüber, wenn man will.
Was haben Sie beim Schreiben über Ihre Beziehung gelernt, das Sie sonst nicht entdeckt hätten?
Schneider: Schwierige Frage, weil wir ja darüber schreiben. Schreiber: Die Kolumne hat uns geholfen, diesen Alltagskram, den man sonst weg murrt, miteinander anzuschauen – und sogar darüber zu lachen. Humor ist bei uns wichtig. Wir sind heitere Menschen, wir blödeln viel. Durch die Kolumne konnten wir das verfeinern. Unsere Beziehung ist dadurch im Austausch direkter.
Sehen Sie sich mehr als Autorenteam oder als Ehepaar?
Schneider: Wir sind vor allem ein Ehepaar. Schreiber: Daraus wächst alles andere. Ja, wir sind ein gutes Ehepaar. Schneider: Obwohl ich gar nicht heiraten wollte, das war für mich nur eine Formalität. Schreiber: Das finde ich jetzt krass! Du wolltest das Riesenfest, aber ohne mir einen Antrag machen! Aber ja: Als Paar haben wir viel Kraft.
Hilft das Schreiben, die Liebe zu verstehen, oder macht es sie komplizierter?
Schreiber: Ich finde, es hilft. Schneider: Ich weiss nicht, ob es etwas ändert. Du kannst die Liebe ja nicht herbeischreiben. Schreiber: Aber die Form, die Konflikte über die Kolumne auszutragen, ist super, weil die Stimme nicht im Spiel ist. Wenn wir streiten, dann ist oft eine leicht schärfere Tonlage zu hören – und dann zofft es. Schneider: Sie findet, dass ich einen schlimmen Ton drauf habe, obwohl ich ganz normal rede, so wie immer. Schreiber: Das vertrage ich gar nicht. Doch beim Schreiben fällt der Ton eben weg.
Schneider: Ja, und man wählt die Worte mit mehr Bedacht.
Was macht Sie glücklich, ohne dass es den Weg in eine Kolumne findet?
Schreiber: Wie wir miteinander mit einem Glas Wein vor dem Kamin sitzen und ins Feuer gucken. Das sind Glücksmomente.
Gibt es ein Rezept für eine gelungene Beziehung?
Schneider: Die bewusste Partnerwahl. Es war gut, dass wir schon etwas älter waren und genauer wussten, wer man ist und was man will. Schreiber: Gut, aber du weisst ja am Anfang nicht, wer dein Partner wirklich ist. Das finde ich darum etwas simpel. Schneider: Das ist nicht simpel.Schreiber: Doch, du siehst es dem anderen ja nicht grad an, wie er tickt. Unser Vorteil war: Wir haben uns kennengelernt, bevor wir uns verliebt haben. Aber ich stimme dir zu: Man muss nah bei sich sein, um dem andern nah zu sein. Wenn ich weiss, was mir guttut, kann ich das dem anderen mitteilen oder zeigen. Dazu gehört, zuzulassen, dass wir uns verändern. Ich fluche offenbar mehr als früher, und du wirst rührseliger.
Gibt es etwas, das Sie sich für Ihre Beziehung wünschen?
Schreiber: Unsere Kinder ziehen aus. Da müssen wir uns wieder als Paar finden. Es ist wie eine Reise ins Unbekannte. Das ist aufregend, kann aber auch Angst machen.
Schneider: Ich bin abenteuerlustig und freue mich auf Neues. Es ist schön, dass wir das miteinander erleben können.
Was ist Ihre geheime Energiequelle?
Schneider: Unsere tiefe Liebe. Klingt jetzt nicht sehr originell. Schreiber: Bei mir dasselbe: Unsere grosse Liebe. Du bist meine grosse Liebe. Schneider: Schön, dass du nicht sagst:
Meine kleine Liebe. Weil ich kleiner bin als du. Schreiber: Umso grösser ist das Glück, dass wir uns gefunden haben.
Welcher Buchtitel würde Ihre Beziehung heute am besten beschreiben?
Schreiber: Es war nicht einfach. (lacht) Schneider: Es bleibt schwierig. (lacht) Schreiber: Oder wie wärs damit: Es ist mir eine Freude!