Abwärme für Shrimps

Seit 2018 züchtet die SwissShrimp AG in Rheinfelden Garnelen auf. Zum Heizen der Salzwasserbecken nutzt sie die Abwärme der benachbarten Saline Riburg – für alle Beteiligten eine Win-win-Situation.

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Kugelschreiberlang und daumendick - Garnelen der SwissShrimp AG

Sie tummeln sich in 16 weitläufigen Becken, von denen jedes 100 Kubikmeter Wasser fasst – die Shrimps der SwissShrimp AG. Seit der Inbetriebnahme im Herbst 2018 werden auf der Farm in Rheinfelden Garnelen für Restaurants, den Detailhandel und die eigene Küche gezüchtet. In einer geschlossenen Salzwasser-Kreislaufanlage entwickeln sich die Larven innerhalb von fünf bis sechs Monaten zu ausgewachsenen Tieren – kugelschreiberlang und daumendick. Die Wassertemperatur in den Becken beträgt 28 Grad. «Das ist die Zieltemperatur, damit die Shrimps optimal heranwachsen können», sagt Michael Siragusa, technischer Geschäftsführer der SwissShrimp AG. Die Wärme für das Beheizen des Wassers kommt von nebenan – nämlich von der Saline Riburg, die wenige Meter entfernt Auftau- sowie Speisesalz produziert.

Michael Siragusa (l.), technischer Geschäftfsührer der SwissShrimp AG, und Dr. Urs Ch. Hofmeier, Geschäftsführer Schweizer Salinen AG, besetzen im Herbst 2018 zum ersten Mal ein Becken mit Shrimps.

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Abwärme aus der Salzproduktion

«Wir haben 2014 ein Jahr lang eine Pilotanlage in Lutherbach (SO) betrieben» erzählt Michael Siragusa. «Dabei haben wir festgestellt, dass insbesondere der Standort entscheidend ist, um eine Shrimpszucht nachhaltig zu betreiben.» Die NZZ am Sonntag berichtete über die Suche des Start-ups nach einem geeigneten Standort und einem Industriebetrieb, der erneuerbare Wärme «loswerden» wollte – woraufhin sich die Schweizer Salinen AG bei der SwissShrimp AG meldete. Sie hatte neben dem geeigneten Grundstück auch die nötige Energie abzugeben: Die Wärme wird dem Abwasser entzogen, das beim Salzgewinnungsprozess entsteht und welche die Saline Riburg aus Umweltschutzgründen nicht in den Rhein leiten darf. So profitieren beide Unternehmen. Daraufhin erstellte die AEW Energie AG ein Wärme-Energiekonzept. Bereits seit rund zwölf Jahren nutzt die AEW in ihrem Wärmeverbund Rheinfelden Ost die Abwärme des Salzproduzenten für die Heizung grosser Liegenschaften. Mit dem Betriebsstart 2018 konnte auch die SwissShrimp AG an die Abwärme der Saline Riburg angebunden werden.

Schonender Umgang mit Umwelt und Tieren

Von Beginn an stand das Thema Nachhaltigkeit im Fokus des Unternehmens. «Es gibt günstige Lösungen mit Gas, wie andere europäische Shrimpsfarmen zeigen, aber das machte in unseren Augen keinen Sinn», sagt Michael Siragusa. «Von vornherein hatten wir die Haltung, dass wir lokal und nachhaltig produzieren wollen. Da passen fossile Energien nicht dazu. Durch den Bezug von erneuerbarer Wärme reduzieren wir im Vergleich zu Import-Shrimps die CO2-Emissionen um 50 Prozent.» Auch die ökologische Aufzucht hat einen hohen Stellenwert. So werden die Shrimps ohne Einsatz von Antibiotika gezüchtet und nur mit bio-zertifizierten Rohstoffen gefüttert. Rund 60 Tonnen Shrimps kann das Unternehmen künftig pro Jahr ernten. Inzwischen hat es zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Erst kürzlich wurde die SwissShrimp AG für den Umweltpreis der Wirtschaft 2020 nominiert, der im September verliehen wird.

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Wärmeverbund Rheinfelden Ost

  • Wärmequelle: Überwiegend Abwärme Schweizer Salinen
  • Grundausbau: 2007–2009
  • Wärmeleistung: 8,4 Megawatt (MW)
  • Wärmebedarf pro Jahr: 18 400 Megawattstunden (MWh)
  • Wärmeenergieabdeckung aus Saline pro Jahr: ca. 13 000 MWh
  • CO2-Einsparung: 3100 Tonnen pro Jahr
  • Einsparung Heizöl: 1,0 Millionen Liter pro Jahr

SwissShrimp AG

  • Bau Wärmepumpe, Anschluss: 2018
  • Wärmeleistung Wärmepumpe: 580 Kilowatt
  • Wärmebedarf pro Jahr: ca. 1100 MWh
Mit der Inbetriebnahme der Wärmepumpe kann die Abwärme der Saline auf sämtlichen Temperaturniveaus genutzt werden.
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Funktionsweise

Bei der Salzgewinnung entsteht 30 Grad warmes Abwasser. Mithilfe einer Wärmepumpe in der AEW Abwärmezentrale wird das Abwasser auf ein höheres Temperaturniveau (85 Grad) angehoben und in das Wärmenetz – unter anderem zur Shrimpsfarm – geleitet. Von dort gelangt es mit geringerer Temperatur (50 Grad) über die Abwärmezentrale wieder zurück und wird erneut wieder aufgewärmt. Dann beginnt der Prozess von neuem.

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25 Jahre Wärme bei der AEW

Anfang der 1990er-Jahre eröffnete sich die AEW mit dem Aufbau von Wärmeverbunden ein neues Geschäftsfeld. Der erste Wärmeverbund wurde im Oktober 1994 in Möhlin in Betrieb genommen und erzeugt mittels einer Holzschnitzelheizung CO2-frei Wärme. Inzwischen betreibt die AEW rund 80 Wärmeverbunde, beliefert damit um die 13 500 Haushaltungen und verhindert den CO2-Ausstoss von mehr als 40 000 Tonnen pro Jahr.

Weitere Informationen

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Interview mit SwissShrimp-Geschäftsführer Rafael Waber

Sie wollen mehr zur Zusammenarbeit der SwissShrimp AG und AEW erfahren? Dann lesen Sie das Interview mit SwissShrimp-Geschäftsführer Rafael Waber.

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